Montag, 15. Februar 2010

Ni hao, hello, bamboo, Yangdi?!

Wider aller Ermahnungen haben wir uns also Mitten in den Nationalferien aufgemacht nach Yangshuo, dem Reiseziel und Traum aller schlaflosen Nächte der Chinesen schlechthin. Deswegen trifft es uns nicht ganz unerwartet, dass vorsichtig gesagt vor Ort recht viel los ist. Da Yangshuo groß ist gibt es immer noch freie Hostels und uns gelingt es, einen Pauschalpreis für 5 Übernachtungen herauszuhandeln. Der ist so günstig, dass wir dem Chef versprechen müssen, keinen anderen Gästen zu verraten, wieviel wir bezahlen. Im Nachhinein erfahren wir, manche bezahlen bis zu doppelt so viel. Für größere Begeisterung bei der Jugend sorgen unsere überdimensionalen Rucksäcke und so sieht man hier den ersten Nachwuchsbackpacker, wie er gerade seiner Heimat den Rücken kehrt.


Nicht nur die Landschaft sondern auch das Wetter bereiten uns in den nächsten Tagen sehr viel Freude. Yangshuo, das Land der Karstfelsen scheint wie geschaffen dafür, Sport in allen Disziplinen zu treiben. Auch entkommt man so am besten den Touristenströmen der grundsätzlich doch eher sportfaulen Chinesen. Während jene sich also in sonnenbeschirmten Bambusbooten (sprich "Bamboo") auf dem Fluss nach unten schippern lassen fahren wir am Ufer mit Mountainbikes durch kleine Schotterpisten zwischen den Feldern nach oben.

Oder suchen verzweifelt den Weg zum Fluss.

Oder versuchen, auf einer viel zu langen Wandertour am Ufer eines anderen Flusses zur nächsten Stadt "Yangdi" zu wandern, ständig begleitet von den "Ni hao, hello, Bamboo, Yangdi?!"- Rufen der Bamboofahrer auf dem Fluss.

Im Endeffekt steigen wir an diesem Tag dann doch auf solch ein Wassergefährt um, da sich die nächste Stadt immer noch nicht blicken lässt, dafür aber schon die Dämmerung im Anmarsch ist.

QUIZ DER WOCHE: Als ersten Hauptpreis für die KORREKTE Übersetzung dieses Schildes setze ich eine Postkarte aus dem Herzen der Region Chinas aus, die wohl gerade (bürokratisch gesehen) am schwierigsten zu erreichen ist. Die Lösung einfach als Kommentar eintragen.

RELOADED

Wenn irgendwo die Zeit an einem nur so vorbei rauscht, dann ist das definitiv hier in Shanghai. Ich habe in den letzten 3 Monaten soviel erlebt, dass ich abends eigentlich immer nur müde ins Bett geplumst bin, anstatt noch einen Blogeintrag zu schreiben. In letzter Zeit haben mich viele Leute gefragt, wann es denn mit dem Blog weitergeht und weil ich mich über das Feedback so gefreut habe kommt hier die Antwort: JETZT!

Sonntag, 8. November 2009

Guilin (Part. II) oder: einmal Reisfeld und zurück

Nach 2 Tagen Guilin kehren wir der Stadt den Rücken und machen uns auf, um die Dragon's Backbone Rice Terraces unsicher zu machen. Schon die Busfahrt an sich ist ein Erlebnis, mit einem alten klapprigen Reisebus werden wir über die Bergpässe geschippert und auf halbem Weg nach unten wird doch tatsächlich an einer speziell dafür vorhergesehenen Station halt gemacht, um die Bremsen des Busses wieder abzukühlen. Hier entsteht mein Lieblingsfoto:


Am Fuß der Reiseterrassen werden wir erstmal von einer ganzen Menge an alten chinesischen Frauen belagert, die es alle kaum erwarten können, gegen eine kleine Gebühr unseren Rucksack zu tragen. Das kommt natürlich nicht in Frage, denn da wir in den Terrassen übernachten wollen hat jeder ca. 10 kg Gepäck auf dem Rücken und überhaupt kann man seinen Rucksack ja nicht einfach von jemand anderem. Das wäre eindeutig zu leicht. Auch die Möglichkeit, sich auf einer Art Bambusthron, der von 2 Trägern getragen wird, auf den Berg befördern zu lassen, lässt uns kalt. Zügigen Schrittes entfliehen wir den Trubel am Eingang und nehmen die vor uns liegenden 1000 Höhenmeter in Angriff.


Leider werden wir abends dann doch recht frühzeitig von der hereinbrechenden Nacht überrascht und statt wie geplant bis zum nächstgrößeren Ort zu wandern, beschließen wir uns vorzeitig in einem der vielen Häuser am Wegrand nach einem Nachquartier umzusehen. Da Hauptsaison ist, gestaltet sich das nicht ganz so leicht als erwartet und wir kommen noch in den Genuss einer kurzen Nachtwanderung bevor wir eine annehmbare Unterkunft mit adäquaten Preisen entdecken. Über das Abendessen mit Hühnerkopf und-kralle in der Suppe und einige daraus resultierende Verdauungsstörungen in der Nacht möchte ich an dieser Stelle nicht allzu ausführlich berichten. =)


Zumindest bin ich am nächsten Tag dann doch schon wieder erstaunlich fit und bis zum Nachmittag erleben wir eine faszinierende Wanderung durch die Reisefelder abseits von den Haupttouristenströmen.

Da wir den Bus nach Guilin um eine halbe Stunde verpassen handeln wir mit einem einheimischen "Taxifahrer" einen guten Preis aus, für den er uns in das 1 1/2 h entfernte Guilin zurück fährt. Dort hetzen wir zum Busbahnhof und haben Glück - wir erwischen trotz fortgeschrittener Stunde noch einen Bus nach Yangshuo, unserem nächsten Reiseziel.

Freitag, 30. Oktober 2009

Guilin - die Erste

Unsere erste größere Reise hier in China führt uns in die Provinz Guanxi im Süden des Landes. Dank dem 60 jährigen Staatsjubiläum haben wir zusammen mit 1.3 Milliarden anderen Chinesen Ferien und so starten wir wohlgemut Mittwochnachmittags zum Flughafen, da uns einige der 1.3 Milliarden leider die Zugtickets vor der Nase weggekauft haben. Zum Glück sind Flüge nicht so teuer und sowieso viel bequemer. ;)

In Guilin angekommen ist unsere erste Begegnug mit einem "local" der Taxifahrer, der uns nach zähen Verhandlungen für einen nicht überteuerten Preis vom Flughafen in die Stadt bringt. Als er erfährt, dass wir 'Deutsche sind, begrüft er uns mit einer vor ca. 70 Jahren in unserem Heimatland recht gebräuchlichen Begrüßungsgeste, die ich hier nicht näher ausführen möchte. In der Stadt angekommen haben wir Glück und finden direkt ein Hostel mit noch freien Zimmern, denn es ist spät, wir haben keine Reservierung (sonst ist es ja langweilig) und wegen der allgemeinen Ferienzeit hatten wir doch etwas Sorge, dass Raummangel bestehen könnte.

Den darauffolgenden Tag nutzen wir, um Guilin zu erkunden und den berühmten "Seven Stars National Parc" zu besuchen, der für viele Chinesen ein beliebtes Reiseziel darstellt. Die Stadt an sich wirkt, als habe sich eine Lawine aus Häusern über die unebene Landschaft mit bizarren Karstfelsen ergossen, sodass nur noch die Gipfel der grünen Felsen aus dem Häusermeer heraus ragen. Leider sind die meisten Gipfel in Stadtnähe in chinesischer Manier touristisch hervorragend erschlossen, man muss Eintritt bezahlen, kann Eis und Souvenirs kaufen und kann sogar direkt auf dem Gipfel Fotos mit ausgeliehenen traditioneller Kleidung schießen lassen, die man direkt vor Ort ausgedruckt bekommt. Von unberührter Natur darf hier leider nicht immer die Rede sein.


Abends entdecken wir dann noch im Trubel des Guiliner Nachtlebens die mit abstand hässlichste Straßenlaterne, die ich je gesehen habe. Diese tut dem bunten Lichtermeer am Ufer des Li Rivers aber trotzdem keinen Abbruch.


Quiz: Lang ist es her, aber vielleicht erinnert sich der / die eine oder andere noch an den kleinen Essensquiz (siehe "China macht Spaß"). Ich habe wirklich lang gewartet, aber muss bedauerlicherweise die Mitteilung machen, dass keine richtige Antwort unter den vielen tollen Ideen dabei war. Es handelt sich weder um Rinderpenis noch um Schlangenragout, sondern ganz gewöhnliche Schweinsohren stehen auf der Speisekarte. Das weiße in der Mitte ist der Knorpel, der für die westliche Zunge recht ungewöhnt knorpelig sozusagen schmeckt, von den Chinesen aber dafür umso mehr geschätzt wird. Somit hat mein Vater gewonnen, der mir als einziger telefonisch die richtige Lösung gesagt hat. =)

Sonntag, 18. Oktober 2009

joooaaah, er lebt noch!

Diese Woche haben wir den in Insiderkreisen so genannnten und gefürchteten "Super Thursday" hinter uns gebracht: Morgens unser Fluid Mechanics Midterm Exam geschrieben, nachts um 22 Uhr und zeitlich mit 500 Karlsruher Studenten die Elektronik-Klausur, die uns von der Heimatuni geschickt wurde, danach mit dem Taxi nach Hause und bis 4 Uhr in der Frühe den Design Review I für unser Designprojekt (wir bauen so eine Art Lastenaufzug) an der Uni fertig gemacht. 2 Stunden Schlaf waren dann immerhin noch drin und um halb 7 Uhr ging es dann wieder los in Richtung Uni, um die eben erledigte Aufgabe abzugeben. Wer also der Ansicht ist, wir seien hier nur, um Urlaub zu machen, der täuscht sich zumindest zeitweise gewaltig ;)

Am Samstag ging es dann erstmal sozusagen zur Belohnung zum Frisör, was längst überfällig war. Kopfmassage, Waschen, Schneiden, nochmal Waschen und stylen kostet halsabschneiderische 3€ ;) und dafür, dass sich unser chinesisch-Frisörvokabular auf "kurz" und "lang" beschränkt, kann sich das Ergebnis glaube ich wirklich sehen lassen. Wir haben extra eine vorher/nachher Dokumentation gemacht:


RANDNOTIZ: Leider hatte ich in unserer Urlaubswoche keine Möglichkeit, live von vorderster Front zu berichten (chinesischen Firewalls sei dank). Nachdem wir aber eine richtig tolle Zeit in Guilin und Umgebung hatten, werde ich nachträglich davon ausführlich in den nächsten Tagen berichten.

Montag, 28. September 2009

geschafft!

In den letzten Tagen haben wir uns hier einen Riesenstress gemacht, damit wir noch kurzfristig über die 1-wöchigen Oktoberferien hier in China verreisen können. Jetzt sind unsere Reisepässe endlich im "Exit und Entry" Büro, wo wir unser"Residence Visum" bekommen und wir sind für unsere Reise ausgerüstet mit einer Art temporären Reisepass (andere Leute würden es als Quittung mit angeklebten Passbild bezeichnen). Es kann also los gehen!

Freundlicher Dank an: Mao Zedong für die Staatsgründung am 1.10.49, der uns diese wunderbaren freien Tage ermöglicht hat.

Freitag, 25. September 2009

Brot für die WG

Die meisten Dinge hier in China gefallen mir echt sehr gut oder sind mindestens durchaus akzeptabel. Es gibt aber eine Sache, die geht einfach überhaupt rein gar nicht: Das chinesische Brot (insofern man hier überhaupt noch von Brot reden darf, der deutsche Bäcker möge mir verzeihen). Die chinesische Brotkultur lässt sich vermutlich so in etwa mit der Auswahl an Winterjacken in einem Shop am Rande der Sahara vergleichen: Sie existiert einfach nicht. Es gibt süßen Toast (Kategorie: Superknaschtig), süßen Zopf (extraluftig gebacken) und kleine Sesamweckchen die, man ahnt es kaum, nicht nur superweich sind, sondern auch bappsüß schmecken.

An vieles kann man sich wirklich gewöhnen, doch hier tun wir uns alle schwer. Gottseidank ist Shanghai groß und so haben wir im Laufe der letzten Woche doch tatsächlich einen deutschen Bäcker aufgetan, der uns jetzt einmal in der Woche mit einer Menge an Brot beliefert, die gerade noch so auf unseren Esszimmertisch passt. Das meiste wird eingefroren und die 8 frischen Laugenbrötchen haben zumindest diese Woche nicht einmal das nächste Frühstück, für das sie eigentlich eingeplant waren, erlebt. Wenn man in Deutschland wohnt, kann man die hohe Backkunst der heimischen Bäcker echt gar nicht hoch genug schätzen!

Anbei noch ein schlafender Mann auf seinem Mofa, den ich heute beim Verlassen der Ubahnstation (fototechnisch) erwischt habe =) Die Chinesen sind echt ein fleißiges Völkchen, aber manchmal wird dann doch der ein oder andere vom Schlaf dahin gerafft!